Zwischen Harzvorland, Goldener Aue und Ziegelrodaer Forst
Sotterhausen liegt am Westerbach im südöstlichen Harzvorland und gehört seit dem 1. Januar 2010 als Ortsteil zur Stadt Allstedt.
Der Ort ist von einer abwechslungsreichen Landschaft umgeben. Bei guter Sicht scheint das Kyffhäusergebirge am Horizont zum Greifen nah.
Rund um Sotterhausen erstrecken sich unterschiedliche Landschaftsräume:
- im Südosten das Rohnetal und der Ziegelrodaer Forst,
- im Osten die Bornstedter Mulde und der Hornburger Sattel,
- im Norden der Höhenzug der Horl und die Riestedter Mulde,
- im Westen die Helmeniederung und die Goldene Aue.
Diese besondere Lage verleiht Sotterhausen seinen ruhigen, ländlichen Charakter.
Erste urkundliche Erwähnung
Nach der Gründung des Klosters Hersfeld wurde dieses durch Karl den Großen mit umfangreichen Besitzungen ausgestattet.
Zu den Gebieten des Klosters gehörte auch das Friesenfeld im Hassegau. Die dort lebenden Bauern mussten einen Teil ihrer jährlichen Erträge als Zehnten an das Kloster abführen.
Sotterhausen wurde erstmals im Hersfelder Zehntverzeichnis erwähnt, das um das Jahr 899 entstand.
Dort erscheint der Ort unter dem Namen:
„Suderhusa“
In der überlieferten Reihenfolge des Verzeichnisses wird Sotterhausen an 13. Stelle genannt.
Herkunft des Ortsnamens
Die Gründung des Ortes wird in der Überlieferung mit hessischen Siedlern in Verbindung gebracht, die nach dem Ende des Thüringer Königreiches im 6. Jahrhundert in das Gebiet eingewandert sein sollen.
Die Endung „-hausen“ bedeutet so viel wie Häuser, Wohnsitze oder Siedlung.
Der erste Bestandteil des historischen Namens „Suderhusa“ wird unterschiedlich gedeutet. Möglich sind unter anderem die Bedeutungen:
- „die südlichen Häuser“,
- „die Häuser südlich des Westerbaches“,
- „die Häuser an einer salzhaltigen Quelle“.
Welche dieser Deutungen tatsächlich zutrifft, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen.
Ein historisches Haufendorf
Sotterhausen weist bis heute Merkmale eines Haufendorfes auf.
Bei dieser Siedlungsform wurden Häuser und Hofstellen nicht streng entlang einer einzelnen Straße angeordnet. Sie entstanden vielmehr in einer unregelmäßigen, dicht beieinanderliegenden Struktur.
Diese historische Dorfform ist im Ortskern noch immer erkennbar und trägt wesentlich zum Erscheinungsbild Sotterhausens bei.
Zugehörigkeit zum Amt Beyernaumburg
Seit dem Spätmittelalter gehörte Sotterhausen zum Amt Beyernaumburg.
Damit unterstand der Ort der dortigen Gerichtsbarkeit. Viele Einwohner waren gegenüber der Herrschaft von Beyernaumburg zu Abgaben und Diensten verpflichtet.
Dazu gehörten unter anderem:
- Geld- und Naturalabgaben,
- Lehens- und Erbzinsen,
- Handdienste,
- landwirtschaftliche Frondienste.
Diese Verpflichtungen prägten über Jahrhunderte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Einwohner.
Besitz des Klosters Kaltenborn
Auch das Kloster Kaltenborn verfügte in Sotterhausen über Grundbesitz und verschiedene Lehnsrechte.
Darüber hinaus besaß das Kloster das Patronat über:
- die Kirche,
- die Pfarrstelle,
- das Schulwesen.
Mit der Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation im Jahr 1539 gingen dessen Besitzungen und Rechte an das Amt Sangerhausen und damit an den Landesherrn über.
Kirche St. Georg
Die Sotterhäuser Kirche ist dem heiligen Georg geweiht.
Der heilige Georg galt zugleich als Schutzpatron der Grafschaft Mansfeld.
Ein früher Kirchenbau befand sich am westlichen Ausgang des Dorfes. Dabei soll es sich zunächst um eine einfache Kapelle gehandelt haben.
Die heutige Kirche wurde im Jahr 1557 errichtet und gehört zu den bedeutendsten historischen Bauwerken des Ortes.
Der Kanzelaltar
Zu den wertvollsten Ausstattungsstücken der Kirche gehört der Kanzelaltar.
Er enthält Teile eines älteren Schnitzaltars aus dem 16. Jahrhundert und wird von einem hölzernen Kruzifix bekrönt.
Zu beiden Seiten des Kanzelkorbes befinden sich geschnitzte Figuren:
- die heilige Katharina,
- die heilige Margaretha.
Der Kanzelaltar verbindet damit verschiedene kunstgeschichtliche Epochen und ist ein bedeutendes Zeugnis der kirchlichen Ausstattungsgeschichte.
Der historische Taufstein
Der achtseitige Taufstein entstand vermutlich um das Jahr 1667.
Seine Gestaltung orientiert sich möglicherweise an älteren romanischen Vorbildern.
Auf den sichtbaren Seitenflächen befinden sich verschiedene Schmuckelemente, darunter:
- stilisierte Blumen,
- Rosetten,
- das Bildnis eines Stieres.
Der Taufstein gehört zu den besonders bemerkenswerten Kunstwerken im Innenraum der Kirche.
Die Hildebrandt-Orgel
Die Orgel der Kirche wurde im Jahr 1730 von Zacharias Hildebrandt erbaut.
Hildebrandt war ein Schüler des berühmten sächsischen Orgelbauers Gottfried Silbermann und zählt zu den bedeutenden mitteldeutschen Orgelbauern des 18. Jahrhunderts.
Die Orgel stellt einen besonderen kulturhistorischen Schatz Sotterhausens dar und ist weit über die Ortsgeschichte hinaus von Bedeutung.
Kirchturm und Glockenhaus
Der Kirchturm stürzte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach ein.
Anstelle eines unmittelbar mit der Kirche verbundenen Turmes befindet sich heute ein separates Glockenhaus neben dem Kirchengebäude.
Diese ungewöhnliche Anordnung prägt das heutige Erscheinungsbild des kirchlichen Areals.
Das Freigut
Aus dem früheren Pfarrgut entwickelte sich im 16. Jahrhundert ein Freigut.
Ein Freigut war ein landwirtschaftlicher Besitz, dessen Eigentümer von bestimmten Abgaben oder Verpflichtungen befreit sein konnte.
Das Sotterhäuser Freigut ist besonders mit einer bekannten Persönlichkeit verbunden.
Friedrich Adolf Graf von Kalckreuth
Am 21. Februar 1737 wurde auf dem Freigut Friedrich Adolf Graf von Kalckreuth geboren.
Er machte später eine militärische Karriere und erreichte den Rang eines preußischen Generalfeldmarschalls.
Damit gehört er zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die aus Sotterhausen hervorgegangen sind.
Im 19. Jahrhundert wurde das ehemalige Freigut in eine Gastwirtschaft umgewandelt, die den Namen:
„Zum Kronprinzen“
trug.
Landwirtschaft und alte Handwerksberufe
Die Landwirtschaft war seit jeher die wichtigste Lebens- und Erwerbsgrundlage in Sotterhausen.
Einzelbäuerliche Hofstellen prägten das Dorf und seine Umgebung.
Neben den Landwirten waren bereits früh verschiedene Handwerks- und Gewerbeberufe vertreten. Dazu gehörten unter anderem:
- Bäcker,
- Salpetersieder,
- Windmüller,
- Schmiede,
- Stellmacher,
- weitere dörfliche Handwerker.
Im 19. Jahrhundert waren im Ort nahezu alle Berufsgruppen vertreten, die für die Versorgung und das tägliche Leben einer Dorfgemeinschaft benötigt wurden.
Molkerei und technische Betriebe
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besaß Sotterhausen eine eigene Molkerei.
Außerdem gab es im Ort eine Werkstatt für die Reparatur von Fahrrädern und später auch von Motorfahrzeugen.
Diese Einrichtungen zeigen, dass sich die örtliche Wirtschaft bereits früh über die reine Landwirtschaft hinaus entwickelte.
Wirtschaftlicher Wandel
Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Wirtschaftsstruktur Sotterhausens.
Kleinere Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen siedelten sich an, während die Zahl der selbstständigen landwirtschaftlichen Betriebe zurückging.
Die fruchtbaren Ackerflächen rund um den Ort werden weiterhin landwirtschaftlich genutzt.
Aktuelle Angaben zu heute ansässigen Unternehmen und zur Bewirtschaftung der Flächen sollten vor der Veröffentlichung anhand des gegenwärtigen Standes ergänzt werden.
Freiwillige Feuerwehr
Die Freiwillige Feuerwehr leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zum gesellschaftlichen Leben des Ortes.
Neben ihren Aufgaben im Brand- und Katastrophenschutz beteiligt sie sich an Festen, Veranstaltungen und gemeinschaftlichen Aktivitäten.
Sie ist damit nicht nur eine Hilfsorganisation, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der Dorfgemeinschaft.
Traditions- und Heimatverein
Der Traditions- und Heimatverein setzt sich für die Bewahrung der örtlichen Geschichte und des Brauchtums ein.
Gemeinsam mit seiner Burschenschaft organisiert er Veranstaltungen und pflegt überlieferte sowie neu entstandene Traditionen.
Das Engagement des Vereins trägt dazu bei, Wissen über die Geschichte des Ortes an kommende Generationen weiterzugeben.
Landwirtschaftliche Gemeinschaft
Auch der Ortsbauernverband beziehungsweise die landwirtschaftlich tätigen Einwohner prägen das gesellschaftliche Leben Sotterhausens.
Die Landwirtschaft ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftszweig, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Identität.
Viele Bräuche und Veranstaltungen stehen in enger Verbindung mit dem Jahreslauf, der Ernte und dem Leben auf dem Land.
Feste und Gastfreundschaft
Die Vereine und Gruppen des Ortes gestalten im Laufe des Jahres zahlreiche Veranstaltungen.
Dabei werden alte Bräuche bewahrt und neue Traditionen entwickelt.
Die Feste ziehen regelmäßig Besucher aus der Umgebung nach Sotterhausen. Sie schätzen die persönliche Atmosphäre, die Gastfreundschaft der Einwohner und das gemeinschaftliche Miteinander.
Natur und Landschaft
Die Umgebung Sotterhausens bietet vielfältige Möglichkeiten zur Erholung.
Feld- und Wanderwege führen durch:
- die Helmeniederung,
- die Goldene Aue,
- das Rohnetal,
- die Bornstedter Mulde,
- die Ausläufer des Ziegelrodaer Forstes,
- die Höhenzüge der Horl.
Die offene Landschaft ermöglicht weite Ausblicke bis zum Kyffhäusergebirge.
Ein Ort mit besonderem Charakter
Sotterhausen verbindet auf besondere Weise:
- eine mehr als tausendjährige Geschichte,
- eine reizvolle Lage im Harzvorland,
- die historische Struktur eines Haufendorfes,
- eine Kirche mit wertvoller Ausstattung,
- die bedeutende Hildebrandt-Orgel,
- landwirtschaftliche und handwerkliche Traditionen,
- ein aktives Vereins- und Gemeinschaftsleben.
Diese Verbindung aus Geschichte, Landschaft und gelebter Gastfreundschaft verleiht Sotterhausen seinen unverwechselbaren Charakter.
