Ein traditionsreicher Ort am südöstlichen Harzrand
Emseloh liegt am südöstlichen Rand des Harzes und gehört seit dem 1. Januar 2010 als Ortsteil zur Stadt Allstedt.
Der Ort ist von einer abwechslungsreichen Landschaft, historischen Gebäuden und einem lebendigen Vereinsleben geprägt. Landwirtschaft, Handwerk, Mühlenwesen und Bergbau bestimmten über viele Jahrhunderte die Entwicklung Emselohs.
Die Entwicklung des Ortsnamens
Die Schreibweise des Ortsnamens veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach.
Überliefert sind unter anderem folgende Formen:
- um 850: Mechilacha
- um 1300: Emptzeloe
- 1364: Emptilo
- 1536: Embselho
- 1892: Emselohe
- seit etwa 1900: Emseloh
Insgesamt soll es mehr als 14 unterschiedliche Schreibweisen gegeben haben.
Von besonderer Bedeutung ist die Entwicklung von „Mechilacha“ zu „Emptzeloe“. Der Historiker S. A. Wolf deutete den im Hersfelder Zehntverzeichnis genannten Ort Mechilacha als eine frühe Bezeichnung für das heutige Emseloh.
Frühe Geschichte
Als Karl der Große im 8. Jahrhundert das Benediktinerkloster Hersfeld unter seinen Schutz stellte, erhielt das Kloster umfangreiche Besitzungen und Rechte im Hassegau.
Zu den im Hersfelder Zehntverzeichnis aufgeführten Orten gehörte vermutlich auch das damalige Mechilacha.
Die Orte wurden in diesem Verzeichnis nach einem geografischen System aufgeführt. Dadurch lässt sich die Lage des genannten Ortes mit dem Gebiet des heutigen Emseloh in Verbindung bringen.
Lage und Ortsbild
Emseloh liegt unmittelbar an der heutigen Bundesstraße 80.
Benachbarte Orte sind:
- Blankenheim und Klosterrode im Osten,
- Riestedt im Westen,
- Holdenstedt und Liedersdorf im Südosten,
- Beyernaumburg im Süden.
Das Ortsbild wird durch gepflegte Grünanlagen, einen Spielplatz und einen bemerkenswerten alten Baumbestand geprägt.
Zu den besonderen Naturdenkmalen gehören die alten Eichen auf dem Friedhof. Sie wurden nach der Überlieferung anlässlich des Endes des Deutsch-Französischen Krieges im Jahr 1871 gepflanzt.
Auch im Park befinden sich zahlreiche eindrucksvolle Bäume, deren Alter teilweise auf 120 bis 250 Jahre geschätzt wird.
Natur rund um Emseloh
Die abwechslungsreichen Wald- und Wiesengebiete rund um Emseloh bieten zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern und zur Erholung.
Entlang der Straße zwischen Emseloh und Blankenheim erstreckt sich ein landschaftlich reizvoller Wiesengrund.
Im nördlich gelegenen Wald befindet sich das romantische Tal der sogenannten Affenfahrt. Seine besondere Landschaft sowie der Artenreichtum an Pflanzen und Tieren machen dieses Gebiet zu einem wertvollen Naturraum.
Für aufmerksame Besucher bietet das Tal zu jeder Jahreszeit besondere Eindrücke.
Spuren des Braunkohlebergbaus
Südwestlich von Emseloh liegt das Gebiet des ehemaligen Braunkohlebergbaus.
Die inzwischen bewachsenen Halden und die Trasse der sogenannten Pferdebahn erinnern an die frühere industrielle Nutzung der Landschaft.
Gleichzeitig haben sich diese Flächen zu wertvollen Lebensräumen für zahlreiche heimische Tier- und Pflanzenarten entwickelt.
Damit verbinden sich hier Industriegeschichte und Naturschutz auf besondere Weise.
Die Emseloher Mühlen
Vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit standen entlang der Bäche und Wasserläufe rund um Emseloh zahlreiche Mühlen.
Neben der Landwirtschaft prägte das Mühlenwesen über viele Jahrhunderte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben des Ortes.
Die Wasserkraft wurde nicht nur zum Mahlen von Getreide genutzt. Sie diente auch:
- der Herstellung von Öl,
- der Papierherstellung,
- dem Betrieb verschiedener handwerklicher Anlagen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Emseloh außerdem das erste Dampfsägewerk.
Die Entwicklung vom wasserbetriebenen Mühlenhandwerk zum maschinellen Gewerbe zeigt den wirtschaftlichen Wandel des Ortes.
Die Gastwirtschaft „Zum Mohr“
Zu den bedeutendsten historischen Gebäuden Emselohs gehört die Gastwirtschaft „Zum Mohr“.
Das Gebäude wurde nach der Überlieferung um das Jahr 1475 errichtet und zählt damit vermutlich zu den ältesten noch erhaltenen Gasthäusern Sachsen-Anhalts.
Über viele Jahrhunderte war die Gastwirtschaft ein Ort der Begegnung für Einwohner, Reisende, Händler und Handwerker.
Sie ist ein wichtiges Zeugnis der Orts- und Verkehrsgeschichte.
Kirche St. Marien
Die Kirche St. Marien wurde um 1220 auf Veranlassung des Abtes des Klosters Kaltenborn errichtet.
Zu ihren bedeutendsten Ausstattungsstücken gehört ein wertvoller spätmittelalterlicher Schnitzaltar.
Der Altar gelangte vermutlich nach der Auflösung des Klosters Kaltenborn im Jahr 1539 in die Kirche. Sein Mittelteil könnte ursprünglich zu einem Altar der Vierzehn Nothelfer gehört haben.
Die Kirche St. Marien ist damit nicht nur ein religiöses Zentrum des Ortes, sondern auch ein bedeutendes kunst- und kulturhistorisches Bauwerk.
Kloster und Rittergut Kaltenborn
Aus Teilen des ehemaligen Klosterbesitzes entstand später das Rittergut Kaltenborn.
Das Herrenhaus und die umfangreichen Wirtschaftsgebäude wurden nicht unmittelbar auf dem früheren Klostergelände errichtet. Sie entstanden an der historischen Handelsstraße in der Nähe von Emseloh.
Im Jahr 1754 wurde das Hauptgebäude durch einen Brand zerstört.
Anschließend erfolgte der Wiederaufbau durch italienische Baumeister. Aus dieser Zeit stammen die kunstvollen Stuckverzierungen, die noch heute einige Zimmerdecken schmücken.
Das Rittergut prägte über lange Zeit die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Ortes.
Im Jahr 1945 wurde der Besitz enteignet. Die dazugehörigen Ländereien wurden im Zuge der Bodenreform an landlose Bauern und angesiedelte Familien verteilt.
Handwerk und Gewerbe
Im Laufe der Jahrhunderte waren in Emseloh zahlreiche Gewerbe und Handwerksberufe vertreten.
Neben kleinbäuerlichen Wirtschaften gab es unter anderem:
- Müller,
- Gastwirte,
- Besenbinder,
- Schmiede,
- Sattler,
- Lehrer,
- Zimmerleute,
- Stellmacher,
- Fleischer,
- Bäcker,
- Friseure,
- Töpfer.
Diese Berufe zeigen, dass sich das dörfliche Leben nicht allein auf die Landwirtschaft beschränkte. Viele Handwerker versorgten den Ort und die umliegenden Gemeinden mit Waren und Dienstleistungen.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Wirtschaftsstruktur. Neuere Unternehmen und Dienstleistungen kamen hinzu, darunter zeitweise:
- Bauunternehmen,
- Computerfachhandel,
- Buchführungsdienstleistungen,
- Reifendienst,
- Architekturleistungen,
- Speditionen,
- Reparatur- und Kundendienste.
Landwirtschaft im Wandel
Die fruchtbaren Böden rund um Emseloh bildeten seit jeher eine wichtige Grundlage für die Landwirtschaft.
Während der DDR-Zeit wurden die Flächen über mehrere Jahrzehnte durch Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften bewirtschaftet.
Nach 1990 übernahmen neu organisierte landwirtschaftliche Unternehmen die Bewirtschaftung der Flächen, darunter die Agrargesellschaft Riestedt.
Trotz des wirtschaftlichen und technischen Wandels blieb die Landwirtschaft ein prägender Bestandteil der Umgebung Emselohs.
Vereine und Gemeinschaftsleben
Eine besondere Bedeutung für Emseloh besitzen die örtlichen Vereine und die Freiwillige Feuerwehr.
Mit ihren Veranstaltungen, Festen und gemeinschaftlichen Aktivitäten tragen sie wesentlich zum gesellschaftlichen Leben des Ortsteils bei.
Mehrere Vereine sowie die Freiwillige Feuerwehr können auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken.
Dieses langjährige Engagement zeigt die enge Verbundenheit der Einwohner mit ihrem Heimatort und die Bereitschaft, Traditionen gemeinsam zu bewahren.
Ein Ort mit vielfältiger Geschichte
Emseloh verbindet viele unterschiedliche Spuren seiner Vergangenheit:
- die frühe Erwähnung im Hersfelder Zehntverzeichnis,
- die Kirche St. Marien,
- das ehemalige Kloster und Rittergut Kaltenborn,
- die historischen Mühlen,
- die Gastwirtschaft „Zum Mohr“,
- die Spuren des Braunkohlebergbaus,
- alte Handwerks- und Landwirtschaftstraditionen,
- eine abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft.
Gemeinsam mit dem aktiven Vereinsleben verleihen diese historischen und landschaftlichen Besonderheiten Emseloh seinen unverwechselbaren Charakter.
