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Zwei Orte mit gemeinsamer Geschichte

Mittelhausen und Einsdorf gehören seit dem 1. Januar 2010 als Ortsteile zur Stadt Allstedt.

Beide Orte liegen in einer ländlich geprägten Umgebung. Südlich der Ortslagen schlängelt sich die Rohne durch die Landschaft in Richtung Allstedt. Landwirtschaft, wechselnde Herrschaftsverhältnisse und die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts prägten die Entwicklung der beiden Dörfer.

Erste schriftliche Erwähnung Mittelhausens

Mittelhausen wird in frühen historischen Überlieferungen unter dem Namen:

„Midelhusa“

genannt.

Der Ort soll im Hersfelder Zehntverzeichnis unter der laufenden Nummer 26 aufgeführt sein.

Der Name Mittelhausen deutet vermutlich auf eine Siedlung hin, die sich zwischen anderen Orten, Besitzungen oder Siedlungsbereichen befand.

Die genaue Datierung der ersten urkundlichen Erwähnung sollte anhand der historischen Quellen noch einmal geprüft werden.

Landwirtschaft als Lebensgrundlage

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts waren Mittelhausen und Einsdorf vor allem durch die Landwirtschaft geprägt.

Die fruchtbaren Böden rund um die Orte wurden für den Ackerbau und die Viehhaltung genutzt. Zahlreiche Familien bewirtschafteten eigene Höfe oder arbeiteten in landwirtschaftlichen Betrieben.

Im Jahr 1952 gründeten 14 Einzelbauern mit einer Gesamtfläche von 66 Hektar die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft.

Im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft wurden bis 1960 auch die noch selbstständig wirtschaftenden Bauern in die genossenschaftlichen Strukturen eingegliedert. Diese Entwicklung erfolgte vielfach unter erheblichem staatlichem und wirtschaftlichem Druck.

Nach dem Ende der DDR wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft 1991 aufgelöst. Damit gingen zahlreiche Arbeitsplätze verloren, von denen besonders viele Frauen betroffen waren.

Mittelhausen unter wechselnden Herrschaften

Zwischen 1369 und 1496 gehörte Mittelhausen zur Herrschaft der Edelherren von Querfurt.

In dieser Zeit wurde die Kirche im Jahr 1402 neu errichtet beziehungsweise erweitert. Gleichzeitig entstand eine eigenständige Pfarrstelle für Mittelhausen.

In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Herrschaftsverhältnisse mehrfach.

Das Amt wurde verschiedenen Herren als Pfand überlassen. Aufgrund der hohen Verschuldung der Grafen von Mansfeld gelangten Teile des Gebietes zeitweise an die Grafen von Stolberg.

1575 bis 1603

Mittelhausen war zwischen verschiedenen ernestinischen Linien aufgeteilt. Teile gehörten zu Sachsen-Altenburg, andere zu Sachsen-Coburg.

1672 bis 1691

Mittelhausen gehörte zum Fürstentum Sachsen-Jena.

Diese Zeit fiel mit schweren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belastungen zusammen. Besonders verheerend wirkte sich die große Pestepidemie der Jahre 1680 und 1681 aus.

Das vergleichsweise kleine Fürstentum verfügte nur über begrenzte wirtschaftliche Mittel, um die Folgen der Seuche und die Not der Bevölkerung aufzufangen.

1691 bis 1741

Nach dem Ende des Fürstentums Sachsen-Jena fiel Mittelhausen an Sachsen-Eisenach.

1741 bis 1918

Ab 1741 gehörte Mittelhausen zum Herzogtum und späteren Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

Diese Zugehörigkeit bestand bis zur Abdankung der Fürsten im Jahr 1918.

Mit der Gründung des Landes Thüringen im Jahr 1920 wurde Mittelhausen Teil des neuen Landes.

Vom Landkreis Weimar nach Sachsen-Anhalt

Bis zur Verwaltungsreform des Jahres 1952 gehörte Mittelhausen zum Landkreis Weimar und damit zu Thüringen.

Nach der Gebietsreform wurde der Ort dem neu gebildeten Bezirk Halle zugeordnet.

Mit der Wiederherstellung der Länderstruktur im Jahr 1990 kam Mittelhausen zum Land Sachsen-Anhalt.

Diese Entwicklung zeigt, wie häufig sich die territoriale und verwaltungsmäßige Zugehörigkeit des Ortes im Laufe der Jahrhunderte veränderte.

Erweiterung des Ortsbildes

Ende der 1940er- beziehungsweise Anfang der 1950er-Jahre entstand hinter dem historischen Dorfkern die Siedlerstraße.

Dort wurden mehrere Neubauernhäuser errichtet. Diese Siedlung stellte die erste größere Erweiterung Mittelhausens über den bisherigen Ortskern hinaus dar.

Zwischen 1975 und 1999 entstanden weitere Einfamilienhäuser und zwei Wohnblöcke.

Mit dem Wohnungsbau sollten insbesondere Arbeitskräfte für die landwirtschaftlichen Betriebe gewonnen und dauerhaft im Ort angesiedelt werden.

Zusammenleben von Mittelhausen und Einsdorf

Mittelhausen und Einsdorf entwickelten sich im Laufe der Zeit zu eng miteinander verbundenen Ortsteilen.

Zum Zeitpunkt der ursprünglichen Zusammenstellung lebten in beiden Orten zusammen 647 Einwohner. Davon entfielen 186 Einwohner auf Einsdorf.

Diese Zahlen sind inzwischen historisch und sollten vor einer aktuellen Veröffentlichung anhand der Einwohnerstatistik der Stadt Allstedt überprüft werden.

Versorgung und öffentliche Einrichtungen

Zur örtlichen Infrastruktur gehörten beziehungsweise gehören verschiedene Einrichtungen, die dem täglichen Leben und der Dorfgemeinschaft dienen.

Dazu zählen oder zählten unter anderem:

  • eine zentrale Trinkwasserversorgung,
  • eine Ortskanalisation,
  • eine Kindertagesstätte,
  • Einkaufsmöglichkeiten,
  • ein Sportplatz,
  • ein Sportlerheim,
  • eine Gaststätte mit Veranstaltungssaal.

Art und Umfang der gegenwärtig bestehenden Einrichtungen sollten anhand des aktuellen Standes ergänzt werden.

Der Saigerturm in Mittelhausen

Zu den bedeutendsten Baudenkmälern Mittelhausens gehört der Uhrturm, der im örtlichen Sprachgebrauch als Saigerturm bezeichnet wird.

Der Begriff „Saiger“ ist eine historische Bezeichnung für eine Uhr beziehungsweise ein Uhrwerk.

Der Turm wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Eine erhaltene Steininschrift verweist auf das Jahr 1569.

Im Jahr 1733 wurde der Bau erweitert beziehungsweise vollendet.

Der Saigerturm ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen und ein bedeutendes Zeugnis der Ortsgeschichte.

Die Kirche in Mittelhausen

Die Kirche von Mittelhausen gehört zu den ältesten Bauwerken des Ortes.

Fachleute datieren den Kirchturm auf die Zeit um 1200.

Das Kirchenschiff wurde um 1402 angebaut. Wegen seines baulichen Zustandes wurde es später abgerissen und im Jahr 1815 neu errichtet.

Im Innenraum befindet sich eine Darstellung der Weihnachtsgeschichte in Form farbiger Glasmalereien, die in gotisierender Gestaltung ausgeführt sind.

Die Kirche vereint damit Bauteile und Ausstattungsstücke aus unterschiedlichen Jahrhunderten.

Die Kirche in Einsdorf

Die Kirche von Einsdorf wurde im Jahr 1906 im neugotischen Stil errichtet.

Die Neugotik griff im 19. und frühen 20. Jahrhundert Formen der mittelalterlichen Gotik wieder auf.

Typische Merkmale dieses Baustils sind:

  • Spitzbogenfenster,
  • schlanke Proportionen,
  • gegliederte Fassaden,
  • historisierende Schmuckelemente.

Die Kirche ist eines der wichtigsten historischen Bauwerke Einsdorfs und prägt das Erscheinungsbild des Ortsteils.

Carl Friedrich Zöllner in Mittelhausen

Eine Gedenktafel am Schenkplatz erinnert an einen Aufenthalt des Komponisten Carl Friedrich Zöllner in Mittelhausen.

Zöllner wurde vor allem durch seine Vertonungen bekannter Gedichte und Volksliedtexte bekannt.

Zu den Liedern, die mit seinem Namen verbunden sind, gehören:

  • „Das Wandern ist des Müllers Lust“,
  • „Im Krug zum grünen Kranze“.
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Seine Werke wurden besonders durch die Männergesangsbewegung des 19. Jahrhunderts verbreitet und gehören bis heute zum bekannten deutschen Volksliedgut.

Die Gedenktafel erinnert an die Verbindung des Komponisten mit Mittelhausen und an die musikalische Tradition des Ortes.

Landschaft und Rohne

Die Rohne fließt südlich von Mittelhausen und Einsdorf in Richtung Allstedt.

Der Bach und die angrenzenden Flächen gehören zur charakteristischen Landschaft der Region.

Feldwege und landwirtschaftlich geprägte Fluren verbinden die beiden Orte mit Allstedt und den umliegenden Ortsteilen.

Die offene Landschaft bietet weite Ausblicke über:

  • Ackerflächen,
  • Wiesen,
  • Bachläufe,
  • Baumreihen,
  • benachbarte Ortschaften.

Gemeinsame Identität

Mittelhausen und Einsdorf verbinden auf besondere Weise:

  • eine weit zurückreichende Siedlungsgeschichte,
  • jahrhundertelang wechselnde Herrschaftsverhältnisse,
  • landwirtschaftliche Traditionen,
  • historische Kirchen,
  • den Saigerturm als örtliches Wahrzeichen,
  • Erinnerungen an Carl Friedrich Zöllner,
  • eine enge Verbindung zwischen beiden Ortsteilen.

Die Geschichte der Orte zeigt, wie politische Veränderungen, Landwirtschaft, Kirchenwesen und gemeinschaftliches Leben die Entwicklung kleiner ländlicher Siedlungen über viele Jahrhunderte geprägt haben.