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Eine Stadt mit mehr als tausendjähriger Geschichte

Allstedt liegt am östlichen Rand der Goldenen Aue, eingebettet zwischen Feldern, Wiesen und bewaldeten Höhenzügen. Die Stadt wird von der Rohne durchflossen und blickt auf eine außergewöhnlich lange und wechselvolle Geschichte zurück.

Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet um Allstedt bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt war. Die geschützte Lage, die fruchtbaren Böden und die Nähe zu wichtigen Verkehrswegen begünstigten schon früh die Entstehung einer dauerhaften Siedlung.

Frühe Besiedlung und königlicher Wirtschaftshof

Eine auf das Jahr 777 datierte Urkunde erwähnt eine dem heiligen Wigbert geweihte Kapelle in Allstedt, die Karl der Große dem Kloster Hersfeld geschenkt haben soll.

Die Urkunde gilt heute als spätere Fälschung. Dennoch wird angenommen, dass die Wigberti-Kapelle bereits im frühen Mittelalter bestand und mit dem Kloster Hersfeld verbunden war.

Als Standort der Kapelle und eines königlichen Wirtschaftshofes gilt der Bereich der Allstedter Altstadt. Dort befinden sich heute die Reste der Wigberti-Kirche, die im örtlichen Sprachgebrauch als „Dom“ bezeichnet wird.

Königshof und Kaiserpfalz

Im frühen Mittelalter entwickelte sich Allstedt zu einem bedeutenden Königshof und später zu einer Kaiserpfalz.

Unter der Bezeichnung „Altstediburg“ beziehungsweise „Alstediburch“ erscheint der Ort in mittelalterlichen Verzeichnissen und Urkunden. Zwischen dem Aufenthalt Heinrichs I. im Jahr 935 und der Regierungszeit Philipps von Schwaben um 1200 hielten sich zahlreiche deutsche Könige und Kaiser in Allstedt auf.

Von ihren Besuchen zeugen mehrere erhaltene Urkunden.

Besonders während der Regierungszeit Kaiser Ottos II. gehörte Allstedt zu den häufig aufgesuchten Pfalzen im sächsischen Raum. Die Anlage diente dem Herrscher und seinem Gefolge als:

  • Aufenthaltsort,
  • Verwaltungszentrum,
  • Gerichtsstätte,
  • Versammlungsort,
  • Ausgangspunkt für Reisen durch das Reich.

In Allstedt fanden Reichs- und Fürstenversammlungen statt. Für das Jahr 1188 ist ein Aufenthalt Kaiser Friedrichs I. Barbarossa überliefert.

Entstehung der Stadt

Allstedt entwickelte sich aus mehreren Siedlungsbereichen.

Die ältere Siedlung lag im Umfeld der Wigberti-Kirche. Im 14. Jahrhundert entstand zusätzlich die planmäßig angelegte Neustadt mit einem Marktplatz und der St.-Johannis-Kirche als Mittelpunkt.

Die beiden Siedlungsbereiche wuchsen im Laufe der Zeit zu einer gemeinsamen Stadt zusammen.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts bestätigte und erweiterte Kurfürst Friedrich der Weise die städtischen Rechte Allstedts. Zu den damit verbundenen Privilegien gehörten unter anderem:

  • die kommunale Selbstverwaltung,
  • die niedere Gerichtsbarkeit,
  • Markt- und Handelsrechte,
  • Braurechte.

Etwa zur gleichen Zeit wurden die Stadtbefestigung und mehrere öffentliche Gebäude ausgebaut.

Die Stadtmauer besaß fünf Tore:

  • das Katharinenriether Tor,
  • das Eisleber Tor,
  • das Schlosstor,
  • das Rohnetor,
  • das Viehtor.

Auch das Rathaus wurde in dieser Zeit erweitert und später mehrfach im Stil der Renaissance und des Barocks umgestaltet.

Thomas Müntzer in Allstedt

In den Jahren 1523 und 1524 rückte Allstedt in den Mittelpunkt der Reformationsgeschichte.

Thomas Müntzer wirkte als Prediger an der St.-Johannis-Kirche. Er führte deutschsprachige Gottesdienste ein und veröffentlichte mehrere Schriften zu seiner Gottesdienst- und Kirchenreform.

Seine verständlich gehaltenen und leidenschaftlichen Predigten zogen zahlreiche Menschen nach Allstedt.

Müntzer vertrat zunehmend die Auffassung, dass die kirchlichen, politischen und sozialen Verhältnisse grundlegend verändert werden müssten. Seine Ideen fanden besonders unter Bauern, Handwerkern, Bergleuten und anderen Teilen der Bevölkerung großen Zuspruch.

Der Allstedter Bund

In Allstedt entstand das sogenannte „Christliche Verbündnis“, das später auch als Allstedter Bund bezeichnet wurde.

Die Mitglieder verpflichteten sich, Müntzers religiöse Vorstellungen zu unterstützen und seine Lehre gegen ihre Gegner zu verteidigen.

Nach der Überlieferung wurden die Anhänger im Ratskeller in das Bündnis aufgenommen und in entsprechende Verzeichnisse eingetragen.

Die Fürstenpredigt

Am 13. Juli 1524 hielt Thomas Müntzer in der Schlosskapelle von Allstedt seine berühmte Fürstenpredigt.

Zu seinen Zuhörern gehörten Herzog Johann von Sachsen und dessen Sohn Johann Friedrich.

Müntzer kritisierte in seiner Predigt offen die kirchlichen und gesellschaftlichen Missstände seiner Zeit. Er forderte die anwesenden Fürsten dazu auf, Verantwortung für die Durchsetzung einer aus seiner Sicht gerechten und göttlichen Ordnung zu übernehmen.

Die Predigt verschärfte den Konflikt zwischen Müntzer, den sächsischen Herrschern und Martin Luther.

Nach einem Verhör in Weimar und zunehmendem politischen Druck verließ Müntzer Allstedt in der Nacht vom 7. auf den 8. August 1524 heimlich.

Bauernkrieg und seine Folgen

Die Niederlage der aufständischen Bauern im Jahr 1525 hatte auch für Allstedt schwerwiegende Folgen.

Nach der Schlacht bei Frankenhausen wurden Anhänger Müntzers verfolgt und bestraft. Im Juni 1525 sollen sechs seiner Unterstützer vor dem Allstedter Rathaus hingerichtet worden sein.

Die verhängten Strafen und Sanktionen belasteten die Stadt wirtschaftlich und gesellschaftlich. Der weitere Aufstieg der Ackerbürgerstadt wurde dadurch erheblich beeinträchtigt.

Burg und Schloss Allstedt

Burg und Schloss Allstedt erheben sich weithin sichtbar auf einem Höhenrücken am Rand der Goldenen Aue.

Die heutige Anlage wurde vor allem zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert geprägt. Sie vereint Bauteile aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock.

Zu den besonderen Bereichen gehören:

  • die mittelalterliche Kernburg,
  • die mächtige Schildmauer,
  • der Schlosshof,
  • die Schlosskapelle,
  • das Südschloss,
  • die spätgotische Burgküche.

Die Burgküche besitzt einen außergewöhnlich großen Kaminschlot und gehört zu den eindrucksvollsten erhaltenen Küchenanlagen des mittelalterlichen Burgenbaus.

In der Schlosskapelle hielt Thomas Müntzer im Jahr 1524 seine Fürstenpredigt.

Ausstellungen in Burg und Schloss erinnern an die Geschichte der Pfalz, die Entwicklung der Anlage sowie das Leben und Wirken Thomas Müntzers.

Johann Wolfgang von Goethe in Allstedt

Weniger bekannt ist die enge Verbindung Johann Wolfgang von Goethes zu Allstedt.

Goethe hielt sich zwischen 1776 und 1782 mehrfach in Begleitung beziehungsweise im Auftrag Herzog Carl Augusts von Sachsen-Weimar in der Stadt auf.

Als Mitglied der herzoglichen Verwaltung beschäftigte er sich mit wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten des Amtes Allstedt.

Während seiner Aufenthalte auf dem Schloss arbeitete er nach der Überlieferung auch an der Prosafassung seines Werkes „Iphigenie auf Tauris“.

Seine Besuche bilden ein weiteres bedeutendes Kapitel der Allstedter Kulturgeschichte.

Kriege, Brände und Wiederaufbau

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Allstedt mehrfach besetzt, geplündert und teilweise zerstört.

Besonders schwer trafen die Stadt zudem mehrere große Brände. In den Jahren 1657 und 1662 wurden zahlreiche Wohnhäuser und öffentliche Gebäude vernichtet.

Auch die damalige St.-Johannis-Kirche fiel einem Brand zum Opfer.

Die heutige St.-Johannes-Kirche wurde im 18. Jahrhundert neu errichtet. Ihr Turm musste wegen des schwierigen Baugrundes auf langen, tief in den Boden gerammten Holzpfählen gegründet werden.

Trotz der Kriegs- und Brandkatastrophen wurde Allstedt immer wieder aufgebaut und weiterentwickelt.

Bedeutende historische Bauwerke

Bis heute erinnern zahlreiche Bauwerke an die wechselvolle Geschichte der Stadt.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören:

  • Burg und Schloss Allstedt,
  • die Schlosskapelle,
  • die St.-Johannes-Kirche,
  • die Ruine der Wigberti-Kirche,
  • das historische Rathaus,
  • erhaltene Reste der Stadtbefestigung,
  • historische Wohn- und Geschäftshäuser,
  • die Allstedter Mühle.

Das Rathaus zeigt Bauelemente aus der Gotik, der Renaissance und dem Barock. Besonders sehenswert ist der historische Sitzungssaal mit seiner reichen Ausstattung.

Allstedt an der Straße der Romanik

Allstedt liegt an der Straße der Romanik, einer der bedeutendsten kulturhistorischen Routen Sachsen-Anhalts.

Die Route verbindet Kirchen, Klöster, Burgen, Dome und Pfalzen aus dem Mittelalter.

In Allstedt führt sie zu einem Ort, der sowohl mit der Geschichte der deutschen Könige und Kaiser als auch mit der Reformation und dem Bauernkrieg eng verbunden ist.

Natur und Landschaft

Die Umgebung Allstedts bietet zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen und Ausflüge.

Wege führen durch:

  • die Wälder rund um die Stadt,
  • das Rohnetal,
  • das Borntal,
  • die Landschaft der Goldenen Aue,
  • die Höhenzüge in Richtung Kyffhäuser und Südharz.

Die Verbindung von Natur, Landschaft und Geschichte macht Allstedt zu einem reizvollen Ausgangspunkt für Entdeckungen in der Region.

Handwerk, Handel und wirtschaftliche Entwicklung

Über viele Jahrhunderte war Allstedt eine durch Landwirtschaft, Handwerk und Handel geprägte Ackerbürgerstadt.

Neben zahlreichen Handwerksbetrieben entstanden ab dem 19. Jahrhundert auch größere Unternehmen. Besondere wirtschaftliche Bedeutung erlangten unter anderem:

  • die Zuckerherstellung,
  • die Malzproduktion,
  • metallverarbeitende Betriebe,
  • Mühlen,
  • Brauereien,
  • Handels- und Versorgungsunternehmen.

Das wirtschaftliche Leben der Stadt wurde durch Kriege, politische Umbrüche und den Strukturwandel des 20. Jahrhunderts mehrfach tiefgreifend verändert.

Heute erinnern historische Gebäude, Fotografien, Dokumente und Ausstellungen an viele dieser früheren Unternehmen.

Der Lindenmarkt

Zu den bekanntesten Traditionen Allstedts gehört der Lindenmarkt.

Das Volksfest wird seit dem 19. Jahrhundert unter den Linden gefeiert und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.

Musik, Tanz, Schausteller, Verkaufsstände und weitere Veranstaltungen prägen das Fest.

Der Lindenmarkt steht bis heute für die Verbundenheit der Allstedter mit ihrer Stadt, ihren Traditionen und ihrer Geschichte.

Eine Stadt mit lebendiger Geschichte

Allstedt verbindet auf besondere Weise die Geschichte einer mittelalterlichen Königspfalz mit der Reformation, dem Bauernkrieg und der klassischen Weimarer Zeit.

Burg und Schloss, Kirchen, Rathaus, historische Straßen und zahlreiche weitere Erinnerungsorte machen die Entwicklung der Stadt bis heute sichtbar.

Die Bewahrung dieser Zeugnisse und die Vermittlung ihrer Geschichte bleiben wichtige Aufgaben für die Stadt, ihre Einwohner und den Heimatverein Allstedt e. V.