Vom mittelalterlichen Königshof zum barocken Schloss
Burg und Schloss Allstedt gehören zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der Region. Die Anlage blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück und war über Jahrhunderte eng mit deutschen Königen, Kaisern, Fürsten und bedeutenden Persönlichkeiten verbunden.

Allstedt zur Zeit der sächsischen Könige
Im Jahr 909 führte der spätere König Heinrich I. seine Braut Mathilde aus dem Geschlecht des Sachsenherzogs Widukind von Herford über Gandersheim in das Gebiet der heutigen Goldenen Aue.
In Wallhausen wurde im Jahr 912 ihr erster Sohn Otto geboren, der später als Otto I. deutscher König und römisch-deutscher Kaiser wurde.
In dieser Zeit besaß Allstedt eine herausragende Bedeutung als Königshof, Kaiserpfalz und Hausgut der sächsischen Könige.
Die Burg wird in historischen Überlieferungen unter der Bezeichnung „Alstediburg“ erwähnt.
Königshof und Kaiserpfalz
Bereits zur Zeit der Karolinger gehörte Allstedt zu einem System befestigter Anlagen im Gebiet von Saale und Unstrut.
König Heinrich I. ließ dieses Befestigungssystem weiter ausbauen. Es sollte insbesondere dem Schutz vor den damaligen Einfällen der Ungarn dienen.
Allstedt entwickelte sich zu einem bedeutenden Aufenthaltsort deutscher Könige und Kaiser. Zwischen dem Aufenthalt Heinrichs I. im Jahr 935 und der Zeit Philipps von Schwaben um 1200 hielten sich zahlreiche Herrscher in Allstedt auf.
Mehrere Reichstage, Hofversammlungen und Zusammenkünfte von Fürsten sollen hier stattgefunden haben.
Wechselnde Herrschaften
Seit etwa 1180 befand sich Allstedt im Herrschaftsbereich der Landgrafen von Thüringen. Später gelangte es an das Haus Wettin.
In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Lehnsträger und Pfandbesitzer mehrfach. Diese wechselnden Herrschaftsverhältnisse prägten auch die bauliche Entwicklung der Burganlage.
Ausbau durch die Edelherren von Querfurt
Zwischen 1369 und 1496 diente Allstedt den Edelherren von Querfurt als Residenz.
In dieser Zeit entstand die Kernburg als dreiflügelige Anlage. Eine mächtige Schildmauer bildete die vierte Begrenzung des Burghofes.
Damit wurde der Grundriss geschaffen, der die bis heute erhaltene Burganlage wesentlich prägt.
Die mittelalterliche Befestigung war nicht nur Wohn- und Verwaltungssitz, sondern sollte ihren Bewohnern zugleich Schutz vor feindlichen Angriffen bieten.
Kursachsen und Thomas Müntzer
Von 1496 bis 1525 gehörte die Burg zum Herrschaftsgebiet Kursachsens.
Ein herausragendes Ereignis dieser Zeit war das Wirken des Reformators Thomas Müntzer. Am 13. Juli 1524 hielt er in der Schlosskapelle seine berühmte Fürstenpredigt vor dem späteren Kurfürsten Johann von Sachsen und dessen Sohn Johann Friedrich.
In seiner Predigt forderte Müntzer die Fürsten eindringlich dazu auf, Verantwortung für die Durchsetzung einer aus seiner Sicht göttlichen Ordnung zu übernehmen.
Die Fürstenpredigt gehört heute zu den bedeutendsten Ereignissen der Reformationsgeschichte in Allstedt.
Das Leben und Wirken Thomas Müntzers wird in Burg und Schloss Allstedt durch eine umfangreiche Dauerausstellung gewürdigt.
Von der Burg zum Schloss
Zwischen 1526 und 1691 wechselten die Besitzer der Anlage mehrfach. Burg und Schloss gehörten in dieser Zeit vor allem zu verschiedenen Linien der sächsisch-ernestinischen Herzogtümer.
Von 1691 bis 1741 gehörte Allstedt zum Herzogtum Sachsen-Eisenach.
Während dieser Zeit begann der Wandel von der spätmittelalterlichen und durch die Renaissance geprägten Burganlage zu einem barocken Schloss.
Die militärische Bedeutung trat zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen dienten die Gebäude stärker der höfischen Repräsentation, der Verwaltung und dem Aufenthalt der Landesherren.
Ausbau zum Jagdschloss
Von 1741 bis 1918 gehörte Allstedt zum Herzogtum und späteren Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.
In dieser Zeit wurde insbesondere das Südschloss erweitert und umgestaltet. Die Anlage diente den Herzögen vorwiegend als Jagdschloss und zeitweiliger Aufenthaltsort.
Die Verbindung Allstedts mit dem Weimarer Hof brachte auch bedeutende Persönlichkeiten in die Stadt.
Johann Wolfgang von Goethe in Allstedt
Zwischen 1776 und 1782 hielt sich Johann Wolfgang von Goethe mehrfach aus dienstlichen Gründen in Allstedt auf.
Als Mitglied der herzoglichen Verwaltung beschäftigte er sich unter anderem mit Fragen des Bergbaus, der Landwirtschaft und der Verwaltung des Amtes Allstedt.
Während seiner Aufenthalte auf dem Schloss arbeitete Goethe nach der Überlieferung auch an der Prosafassung seines Schauspiels „Iphigenie auf Tauris“.
Die Aufenthalte Goethes bilden ein weiteres wichtiges Kapitel in der Kulturgeschichte von Burg und Schloss Allstedt.
Geschichte unmittelbar erleben
Heute können Besucher in Burg und Schloss Allstedt die Entwicklung der Anlage vom mittelalterlichen Herrschaftssitz bis zum frühneuzeitlichen und barocken Schloss nachvollziehen.
Die erhaltenen Gebäude, Ausstellungen und historischen Räume vermitteln einen lebendigen Eindruck vom Leben und Wirken der Menschen in unterschiedlichen Epochen.
Zu den wichtigen Themen gehören unter anderem:
- die mittelalterliche Königspfalz,
- die Entwicklung der Burganlage,
- die Herrschaft der Edelherren von Querfurt,
- Thomas Müntzer und die Reformation,
- der Bauernkrieg,
- die Geschichte des Schlosses,
- die Aufenthalte Johann Wolfgang von Goethes,
- die regionale Kultur- und Alltagsgeschichte.
Burg und Schloss Allstedt verbinden auf besondere Weise Architektur-, Herrschafts-, Reformations- und Kulturgeschichte.
An der Straße der Romanik
Burg und Schloss Allstedt liegen an der Straße der Romanik.
Diese touristische Route führt durch Sachsen-Anhalt zu bedeutenden mittelalterlichen Kirchen, Klöstern, Burgen und Pfalzen. In Allstedt berührt sie eine Landschaft, die bereits im frühen Mittelalter durch Königshöfe und Kaiserpfalzen geprägt wurde.
Burg und Schloss Allstedt sind deshalb nicht nur ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt, sondern zugleich ein wichtiger Bestandteil der mitteldeutschen Geschichte.
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Burg und Schloss Allstedt Schloss 8 06542 Allstedt
