Von den Anfängen bis in die jüngere Vergangenheit

Der Name Allstedt erscheint in den historischen Quellen in unterschiedlichen Schreibweisen, darunter Alstedi, Alstede und Alstediburch. Überliefert ist auch die Deutung als „alte Stätte“.

Die folgende Chronik gibt einen Überblick über wichtige Ereignisse der Allstedter Stadtgeschichte.

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Frühes Mittelalter

777 – Erste schriftliche Erwähnung

In einer auf den 21. Oktober 777 datierten Urkunde schenkt König Karl dem Kloster Hersfeld die Kirchen zu Allstedt, Riestedt und Osterhausen sowie den gesamten Zehnten aus dem Friesenfeld und dem Hassegau.

Die Echtheit dieser Urkunde wird allerdings angezweifelt. Möglicherweise handelt es sich um eine später angefertigte Urkundenfälschung.

801 bis 805 – Kapelle des heiligen Wigbert

Im Güterverzeichnis des Lullus, Abt des Klosters Hersfeld, wird in Allstedt eine Kapelle des heiligen Wigbert erwähnt.

935 – Allstedt als Königshof

Am 12. Oktober 935 unterzeichnete König Heinrich I. in Allstedt eine Urkunde.

Allstedt war zu dieser Zeit Königshof und wurde später zu einer Kaiserpfalz erweitert.

974 – Alstediburch

In einer Urkunde Kaiser Ottos II. erscheint die Bezeichnung „Alstediburch“.

Um 1000 – Pferdezucht

Für Allstedt ist bereits um das Jahr 1000 eine bedeutende Pferdezucht überliefert.

Hochmittelalter

1115 – Schlacht am Welfesholz

Im Zusammenhang mit der Schlacht am Welfesholz stürmten die Gegner Kaiser Heinrichs V. mehrere Burgen und Befestigungen. Dazu gehörten die Anlagen auf dem Kyffhäuser sowie in Wallhausen und Allstedt.

Um 1150 – Verwaltung der Pfalz

Die Pfalz wurde durch Vögte beziehungsweise Reichsministeriale verwaltet. Kyffhausen, Wallhausen und Allstedt blieben Reichsbesitz.

1179 – Orte des königlichen Hofes

Winkel, Wolferstedt und Farnstedt gehörten zum königlichen Hof Allstedt.

1188 – Kaiser Friedrich I. in Allstedt

Am 1. September 1188 kam Kaiser Friedrich I. mit großem Gefolge nach Allstedt.

Seine Reise führte ihn über die „Via Regia“, die Kaiserstraße vom Kyffhäuser über Tilleda, Wallhausen und Allstedt nach Merseburg.

Um 1200 – Ausbau der Wigberti-Kirche

Nach der Überlieferung hielten sich zahlreiche deutsche Könige in Allstedt auf.

Die Wigberti-Kirche wurde in dieser Zeit als Steinbau neu errichtet.

1200 bis 1300 – Allstedt im Sachsenspiegel

Eike von Repgow nennt im Sachsenspiegel fünf Pfalzen, in denen der König nach geltendem Recht Gericht halten sollte:

  • Grona,
  • Werla, später nach Goslar verlegt,
  • Wallhausen,
  • Allstedt,
  • Merseburg.

Allstedt besaß damit eine besondere Bedeutung innerhalb der mittelalterlichen Gerichts- und Herrschaftsordnung.

1207 bis 1231 – Die heilige Elisabeth

Einer Überlieferung zufolge soll sich die heilige Elisabeth von Thüringen auf ihren Reisen mehrfach in Allstedt aufgehalten haben.

Sie soll in einem einfachen Haus in der Kohlgasse gewohnt haben. Diese Angabe findet sich in einem Beitrag zur Geschichte und Kultur Allstedts von E. Engelhardt.

1229 – Erste Erwähnung des Mallerbachs

Unter der Bezeichnung „Alrebach“ wird erstmals der Mallerbach erwähnt.

1282 – Die Wigberti-Kirche und das Kloster Walkenried

Die Wigberti-Kirche gelangte in den Besitz des Klosters Walkenried.

Durch das Kloster kamen flämische Siedler in das Helmegebiet. Sie entwässerten sumpfige Flächen und legten neue Siedlungen an. In dieser Zeit entstanden unter anderem:

  • Lorenzenrieth,
  • Martinsrieth,
  • Katharinenrieth,
  • Nikolausrieth.

Gleichzeitig rangen das Kloster Walkenried sowie die Herrschaften Querfurt und Beichlingen um den Besitz Allstedts.

Spätmittelalter

1316 – Allstedt im Besitz der Grafen von Mansfeld

Allstedt gelangte in den Besitz der Grafen von Mansfeld.

1323 – Gründung der Neustadt

Graf Burchard gründete die Neustadt als Marktort mit eigenem Marktgericht.

Das Gericht bestand aus einem Richter und fünf Schöffen. Der regelmäßige Markttag war Dienstag.

In dieser Zeit wird auch die St.-Johannis-Kirche erwähnt.

Um 1330 – Bau der St.-Johannis-Kirche

Um 1330 wurde die St.-Johannis-Kirche errichtet.

1361 – Pfalzgrafschaft Sachsen-Allstedt

Allstedt löste sich aus dem mansfeldischen Besitz und wurde zur Pfalzgrafschaft Sachsen erhoben.

1364 – Das Allstedter Marktgericht

Ein Weistum mit der Bezeichnung „Gebiete und auch Gerichte zu Alstede“ regelte die Zugehörigkeit der Orte zur Pfalzgrafschaft Sachsen-Allstedt.

Dazu gehörten:

  • Allstedt,
  • Einsdorf,
  • Mittelhausen,
  • Wolferstedt,
  • Einzingen,
  • Röblingen,
  • Winkel.

Auch das Kloster Sittichenbach mit Osterhausen, Kleinosterhausen und Rothenschirmbach gehörte zunächst zur Pfalzgrafschaft. Sittichenbach entwickelte sich später zu einem eigenständigen Amt.

1425 – Allstedt wird als Stadt bezeichnet

In einer kaiserlichen Berechnungsurkunde vom 1. August 1425 für Kurfürst Friedrich I. wird Allstedt ausdrücklich als Stadt bezeichnet.

15. Jahrhundert – Wechselnde Herrschaften

Im 15. Jahrhundert wechselten die Herrschaftsverhältnisse in Allstedt mehrfach.

In dieser Zeit wurde durch die Grafen von Mansfeld auch die Stadtmühle errichtet.

Beginn der Neuzeit

1503 – Erhebung zur Stadt

Friedrich der Weise bestätigte beziehungsweise erweiterte die städtische Stellung Allstedts.

1507 bis 1514 – Umbau des Schlosses und Bau der Stadtmauer

Friedrich der Weise ließ das alte Schloss durch umfangreiche Baumaßnahmen umgestalten.

Etwa zur gleichen Zeit wurde die Stadtmauer mit fünf Toren errichtet:

  • Katharinenriether Tor,
  • Eisleber Tor,
  • Schlosstor,
  • Rohnetor,
  • Viehtor.

Historische Untersuchungen verweisen außerdem auf das Vorhandensein zweier Pfarreien. Dies deutet darauf hin, dass Allstedt aus zwei ursprünglich getrennten Siedlungen zusammengewachsen ist.

1511 – Markt- und Braurechte

Allstedter Abgeordnete waren im Landtag vertreten.

Friedrich der Weise verlieh Allstedt einen Jahrmarkt und einen Wochenmarkt. Der dreitägige Jahrmarkt begann am 28. Oktober.

Gleichzeitig wurden die Braurechte der Stadt erneuert.

1514 – Gerichtsordnung und Stuterei

Allstedt erhielt eine eigene Gerichtsordnung.

Außerdem wurde die Stuterei errichtet.

1516 – Erstes Stadtsiegel

Aus dem Jahr 1516 ist das erste bekannte Siegel der Stadt Allstedt überliefert.

1520 – Neubau einer Stadtmühle

Die Stadt Allstedt ließ eine neue Mühle errichten.

Überliefert ist die Bezeichnung „Kurthofische Mühle“ beziehungsweise „Curtsgehofen“.

Reformation und Bauernkrieg

1523 – Thomas Müntzer in Allstedt

Thomas Müntzer wurde Prediger an der St.-Johannis-Kirche.

Er predigte in deutscher Sprache und in einer für die Bevölkerung verständlichen Form. Seine Predigten fanden großen Zuspruch.

In der Schlosskapelle hielt Müntzer vor Herzog Johann und Kurfürst Friedrich seine berühmte Fürstenpredigt.

In dieser Zeit zerstörten Allstedter Bauern die Kapelle am Mallerbach.

1525 – Schlacht bei Frankenhausen

Am 15. Mai 1525 wurden die aufständischen Bauern in der Schlacht bei Frankenhausen von den fürstlichen Truppen besiegt.

Thomas Müntzer wurde gefangen genommen und später in Mühlhausen hingerichtet.

Zuvor waren die Klöster Naundorf und Pfiffel zerstört worden. Vom ehemaligen Kloster Naundorf sind heute keine sichtbaren Überreste mehr erhalten.

1528 – Umbau des Rathauses

Das Allstedter Rathaus wurde umgebaut.

1533 – Stadt, Kirchen und Schule

Die Wigberti-Kirche, der sogenannte Dom, war zu dieser Zeit ungenutzt. Gepredigt wurde nur noch in der St.-Johannis-Kirche.

Außerdem wird eine Kapelle der heiligen Elisabeth erwähnt.

Die Altstadt bestand aus:

  • zwölf Hufnern,
  • 38 Hintersassen.

Die Neustadt umfasste:

  • vier Rittersitze,
  • 18 Hufner,
  • 60 Hintersassen.

In einem Bericht wird erstmals eine Schule in Allstedt genannt.

Die älteren Statuten der Stadt, die vermutlich aus der Zeit um 1450 stammten, wurden um 13 Artikel ergänzt. Eine Abschrift aus dem Jahr 1556 trägt den Titel:

„Freiheit und alt Herkommen der Stadt Alstedt, welche sie von Herren zu Herren ohne alle Unterbrechung gänzlich erhalten.“

1565 – Stadtordnung und Pest

Die Grafen Vollrad, Hans und Carl von Mansfeld bestätigten 66 Artikel als:

„Statut, Satzung und Ordnung einer ehrbaren, beständigen Polizei.“

Im selben Jahr trat die Pest erstmals in größerem Umfang in Allstedt auf.

1568 – Neubau der Schule

In Allstedt wurde ein neues Schulgebäude errichtet.

1570 – Mädchenschule und Weinbau

Eine eigene „Mägdeleinschule“ wurde eingerichtet.

Die Weinberge am Schlossberg und am Galgenberg sollen zu dieser Zeit etwa 500 Eimer Wein geliefert haben.

1612 – Einwohnerzahl

Allstedt hatte ungefähr 1.500 Einwohner.

Dreißigjähriger Krieg

1626 – Wallensteins Truppen

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Allstedt von den Truppen Wallensteins heimgesucht.

1630 – Tillys Soldaten

Truppen unter dem Feldherrn Tilly hielten sich in der Stadt und der Umgebung auf.

1631 – Gustav Adolf

Auch König Gustav II. Adolf von Schweden kam mit seinen Soldaten in die Region.

1632 – Plünderung und Brandschatzung

Am 24. und 25. Oktober 1632 ließ der kaiserliche Feldherr Pappenheim Allstedt plündern und brandschatzen.

1636 – Erneute Verwüstung

Kaiserliche Truppen unter Graf Hatzfeld verwüsteten Allstedt und zahlreiche umliegende Dörfer.

Wolferstedt und Winkel blieben nach der Überlieferung von den Verwüstungen verschont.

1639 – Zweiter Pestausbruch

In Allstedt trat erneut die Pest auf.

1641 – Zerstörungen durch französische Hilfstruppen

Französische Hilfstruppen verwüsteten die Stadt und zerstörten etwa 40 Häuser.

Die Bevölkerung floh in die umliegenden Wälder.

In einem zeitgenössischen Bericht heißt es, das Städtchen sei „in totum enerviret worden“, also vollständig entkräftet und ausgezehrt.

1642 – Schutzbrief für Allstedt

Der kaiserliche Feldherr Octavio Piccolomini stellte für Allstedt eine „Salvaguardia“, einen militärischen Schutzbrief, aus.

Dieser sollte die Stadt vor weiteren Plünderungen und Zerstörungen bewahren.

Zu dieser Zeit lebten noch etwa 1.200 Menschen in Allstedt.

Brände und Pest

1657 – Großer Stadtbrand

Am 9. März 1657 vernichtete eine Feuerbrunst etwa 40 Häuser.

Auch die St.-Johannis-Kirche wurde zerstört. Mit ihr verbrannten die Kirchenbücher.

1662 – Erneuter Brand

Ein weiterer Brand zerstörte 14 Häuser.

In der Schweinegasse kamen drei Menschen ums Leben.

Die Kirche wurde anschließend wiederhergestellt. Noch 20 Jahre später sollen in der Stadt Brandruinen gestanden haben.

1681 – Die große Pest

Von Mai bis Dezember 1681 starben in Allstedt 845 Menschen. Nach den Aufzeichnungen waren 817 von ihnen an der Pest gestorben.

Das Kirchenbuch dieser Zeit besteht nahezu ausschließlich aus Sterbeeinträgen.

Ein Bericht vom 1. Oktober 1681 schildert die dramatische Lage:

Die meisten Bürger seien gestorben. Es fehle an Geld, Dreschern und Tagelöhnern. Die Ernte liege noch im Stroh, und die Einwohner würden in anderen Orten weder eingelassen noch könnten sie dort Waren verkaufen.

38 Familien waren vollständig ausgestorben. In 46 weiteren Familien lebte jeweils nur noch eine Person.

Lediglich vier bis sechs Häuser sollen von Todesfällen verschont geblieben sein.

1682 – Ende der Quarantäne

In Allstedt standen etwa 60 Häuser vollständig leer.

Am 9. Juni 1682 wurde die Quarantäne für die Stadt aufgehoben.

Das 18. Jahrhundert

1702 bis 1705 – Gottfried Arnold in Allstedt

Professor Gottfried Arnold predigte im Allstedter Schloss.

Er war unter anderem Verfasser der „Unparteiischen Kirchen- und Ketzerhistorie“ und weiterer theologischer Schriften.

1707 – Allstedter Gasthäuser

In Allstedt bestanden drei bekannte Wirtshäuser:

  • „Roter Löwe“,
  • „Güldener Hirsch“,
  • „Güldener Stern“.

1712 – Kleine Chronika von Allstedt

Superintendent E. Stockmann verfasste die „Kleine Chronika von Allstedt“ in Versform.

1737 – Salpeterhütte

Zwischen Mühlstraße und Gartenstraße bestand eine Salpeterhütte.

1740 – Heinrich von Trebra

Heinrich von Trebra wurde am 5. April 1740 in Allstedt geboren.

Der spätere Oberberghauptmann war mit Johann Wolfgang von Goethe und Christian Gottlob von Voigt befreundet. Er erwarb sich besondere Verdienste um den Bergbau.

1743 bis 1819 – Christian Gottlob von Voigt

Christian Gottlob von Voigt wurde am 23. Dezember 1743 geboren.

Er war Staatsminister, bekleidete hohe Staatsämter und gehörte zum engen Freundeskreis Johann Wolfgang von Goethes.

1760 – Abriss der alten St.-Johannis-Kirche

Wegen erheblicher Baufälligkeit wurde die alte St.-Johannis-Kirche abgerissen.

1765 – Einweihung der neuen Kirche

Die neue St.-Johannes-Kirche wurde eingeweiht.

Beim Bau des Kirchturms stieß man auf Triebsand. Um das Fundament zu stabilisieren, wurden acht bis zehn Ellen lange Pfähle in den Boden gerammt.

1776 bis 1802 – Goethe in Allstedt

Johann Wolfgang von Goethe hielt sich mehrfach aus dienstlichen Gründen in Allstedt auf.

Auf dem Schloss soll er unter anderem an Teilen seiner „Iphigenie auf Tauris“ gearbeitet haben.

Das 19. Jahrhundert

1813 – Kosaken in Allstedt

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig wurden Kosaken in Allstedt einquartiert.

Die Bezeichnung „Kosakenwiese“ soll auf diese Zeit zurückgehen.

1825 – Einwohnerzahl

Allstedt hatte 1.980 Einwohner.

1827 – Der Lindenmarkt

Der Lindenmarkt wurde erstmals unter den Linden veranstaltet.

Zuvor hatte der Jahrmarkt auf dem Marktplatz vor dem Rathaus stattgefunden.

1828 – Friedhofsallee

Die Friedhofsallee wurde angelegt.

1834 – Stadtviertel und Ziegelei

Allstedt bestand aus vier Stadtvierteln.

Die Häuser waren fortlaufend bis zur Nummer 340 nummeriert.

Am Vorwerksteich bestand eine Ziegelei.

1841 – Erstes Allstedter Wochenblatt

Am Sonnabend, dem 20. Februar 1841, erschien erstmals das Allstedter Wochenblatt.

1846 – Großbrand am Amtshof

Ein Großbrand vernichtete den Rinderstall des Amtshofes und mehrere Häuser in der Schafgasse.

24 Feuerspritzen sollen im Einsatz gewesen sein.

Überliefert ist außerdem die Geschichte eines Feuerreiters aus Winkel. Dieser soll dreimal um das Feuer geritten und anschließend auf schnellstem Weg in die Rohne geritten sein. Danach habe die Stärke des Feuers nachgelassen.

1846 – Otto Pilz und erste Briefkästen

Der spätere Genremaler Otto Pilz wurde in Allstedt geboren.

In diesem Jahr wurden außerdem die ersten Briefkästen in der Stadt aufgestellt.

Stadtmauer und Stadttore befanden sich zunehmend im Verfall.

1851 – Zuckerfabrik

Die Allstedter Zuckerfabrik wurde errichtet.

Das örtliche Handwerk befand sich zu dieser Zeit in einer wirtschaftlichen Blütephase.

1860 – Einwohnerzahl

Allstedt hatte 2.826 Einwohner.

1878 – Separation der Fluren

Die Neuordnung und Zusammenlegung der Flächen wurde abgeschlossen.

Allstedt hatte nun 3.314 Einwohner.

1884 – Neue Schule

Die neue Schule wurde eingeweiht.

1885 – Amtsbezirk und Malzfabrik

Zum Amtsbezirk Allstedt gehörten 13 Gemeindebezirke mit insgesamt:

  • 10.706 Einwohnern,
  • 1.714 Wohnhäusern.

Im selben Jahr wurde die Malzfabrik gegründet.

1890 – Metallwerke Rudolph

Der Bau der Metallwerke Rudolph begann.

1892 – Elisabeth Blochmann

Elisabeth Blochmann wurde am 14. April 1892 geboren und besuchte in Allstedt die Grundschule.

Am 1. Januar 1952 erhielt sie als erste Frau in der Bundesrepublik Deutschland einen Lehrstuhl für Pädagogik.

1894 – Eisenbahnanschluss

Am 1. Oktober 1894 fuhr die erste Eisenbahn zwischen Oberröblingen und Allstedt.

1898 – Kindergarten und Gymnasium

Der evangelische Kindergarten und das Gymnasium wurden eingeweiht.

1899 – Gasbeleuchtung

Die Straßenbeleuchtung mit Gaslaternen wurde eingeführt.

Das frühe 20. Jahrhundert

1900 bis 1907 – Pflasterung der Straßen

Mehrere wichtige Straßen und Plätze wurden neu gepflastert:

  • Bahnhofstraße,
  • Breite Straße,
  • Bäckerplatz,
  • Am Schild.

1903 – August Disselhoff

August Disselhoff, der Dichter des Liedes „Nun ade, du mein lieb Heimatland“, starb in Allstedt.

1912 bis 1913 – Bezirkskrankenhaus

Das Bezirkskrankenhaus wurde errichtet.

Es verfügte über:

  • 24 Betten,
  • einen Operationssaal.

1914 bis 1918 – Erster Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg verloren 114 Soldaten aus Allstedt ihr Leben.

1917 – Ende der Aktienbrauerei

Die Allstedter Aktienbrauerei wurde mit der Brauerei Artern vereinigt.

In Allstedt bestand anschließend nur noch eine Bierniederlage.

1918 – Ende des Großherzogtums

Großherzog Wilhelm Ernst dankte ab.

1921 bis 1922 – Elektrischer Strom

Allstedt erhielt eine öffentliche Versorgung mit elektrischem Strom.

1927 – Eröffnung des Freibades

Am 29. Mai 1927 wurde das Allstedter Freibad eröffnet.

Das Schwimmbecken hatte eine Größe von 25 mal 34 Metern.

1928 – Abriss der Stadtbrauerei

Die alte Stadtbrauerei auf dem Schild wurde abgerissen.

Auf dem Gelände entstanden später eine Grünanlage und ein Kinderspielplatz.

1930 – Handwerk, Handel und Versorgung

Bei etwa 3.200 Einwohnern verfügte Allstedt über ein vielfältiges wirtschaftliches und gesellschaftliches Leben.

In der Stadt bestanden unter anderem:

  • elf Gaststätten,
  • sieben Tankstellen,
  • zehn Bäckereien,
  • acht Fleischereien,
  • vier Schmieden,
  • sechs Sattlereien,
  • fünf Schuhmachereien,
  • sechs Tischlereien und Stellmachereien,
  • zwei Böttchereien,
  • sieben Friseurgeschäfte,
  • acht Schlossereien und Klempnereien,
  • fünf Arzt- und Zahnarztpraxen,
  • fünf Viehhandlungen,
  • zwei Korbmachereien,
  • vier Baugeschäfte,
  • etwa 40 landwirtschaftliche Betriebe mit Pferde- oder Kuhhaltung,
  • ungefähr 55 Läden und Geschäfte.

Darüber hinaus gab es:

  • ein Postamt,
  • einen Bahnhof,
  • ein Amtsgericht,
  • eine Sparkasse,
  • eine Bank,
  • ein Krankenhaus,
  • einen Kindergarten,
  • ein Freibad,
  • eine Gasanstalt,
  • eine Molkerei,
  • ein Forstamt.

1935 – Tausendjahrfeier

In Allstedt wurde eine große Tausendjahrfeier veranstaltet.

1935 bis 1937 – Getreidesilos und Kupferkesselwerk

Max Buschner errichtete an der Ladestraße zwei Getreidesilos.

Im Jahr 1937 entstand am Gehren das Kupferkesselwerk.

1938 – Allstedt als Ausflugsziel

Allstedt war ein beliebtes Ziel für Wochenendausflüge.

Sonderzüge brachten Besucher unter anderem aus Leuna, Schkopau und Wolfen in die Stadt.

1940 – Zuckerfabrik wird Rüstungsbetrieb

Die Zuckerfabrik stellte ihre bisherige Produktion ein und wurde in einen Rüstungsbetrieb umgewandelt.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

1945 – Kriegsende in Allstedt

Bis April 1945 war Allstedt als Stadt weitgehend von unmittelbaren Kriegsschäden verschont geblieben.

Am 11. April warfen amerikanische Flugzeuge Bomben auf die Stadt. Menschen kamen ums Leben und Häuser wurden zerstört.

Am 12. April rückten amerikanische Truppen in Allstedt ein. Zahlreiche Einwohner suchten Schutz in den umliegenden Wäldern.

Anfang Juli verließen die amerikanischen Truppen die Stadt. Am 2. Juli übernahmen sowjetische Truppen die Kontrolle.

Es folgten:

  • die Entnazifizierung,
  • Verhaftungen und Internierungen,
  • die Demontage von Betrieben,
  • die Aufnahme von Evakuierten und Vertriebenen aus Schlesien, dem Sudetenland und Pommern.

Der bisherige Amtsbezirk Allstedt wurde aufgelöst und dem Kreis Sangerhausen zugeordnet.

1946 – Bodenreform und Tauschzentrale

Am 10. Januar wurde die Bodenreform durchgeführt.

Privater Grundbesitz wurde enteignet. Außerdem wurde eine Tauschzentrale eröffnet.

1947 – Hochwasser und kultureller Neubeginn

Durch eine schnelle Schneeschmelze kam es zu einer großen Überschwemmung in Allstedt.

Nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren bestand ein großer Nachholbedarf an gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen.

Es entstanden unter anderem:

  • Volkstanzgruppen,
  • Mandolinengruppen,
  • Schalmeiengruppen,
  • Sportgemeinschaften.

Zeitweise wurden dreimal wöchentlich Tanzveranstaltungen durchgeführt.

1949 bis 1950 – Erste HO-Verkaufsstelle

Auf dem Markt wurde die erste HO-Lebensmittelverkaufsstelle eröffnet.

Dort konnten Lebensmittel ohne Bezugskarten erworben werden, allerdings zu vergleichsweise hohen Preisen.

1952 – Flugplatz und Kupferbergbau

Der Bau des sowjetischen Militärflugplatzes begann.

Gleichzeitig wurden die Kupferschächte in der Region ausgebaut, darunter in Sangerhausen, Niederröblingen und Nienstedt.

1955 – Arbeiterwohnungsbau

Am Hagenberg entstand eine Siedlung der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft.

1958 – Ende der Lebensmittelkarten

Die Lebensmittelkarten wurden abgeschafft.

1959 – Bau der Wasserleitung

Im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks wurde die Wasserleitung in der Stadt gebaut.

1960 – Kollektivierung der Landwirtschaft

Die Kollektivierung der Landwirtschaft wurde durchgeführt.

Es entstanden Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften und Maschinen-Ausleih-Stationen.

1971 – Erweiterung des Stadtgebietes

Neue Wohnbereiche und Straßen erweiterten das Allstedter Stadtbild.

Dazu gehörten:

  • die Siedlung im Kleinen Hornfeld,
  • das Schlangengässchen,
  • das Trollergässchen,
  • die Mühlstraße.

1973 – Ende des Personenverkehrs

Die Deutsche Reichsbahn stellte den Personenverkehr zwischen Oberröblingen und Allstedt ein.

1974 – Sanierung des Schlosses

Burg und Schloss Allstedt wurden umfassend repariert und renoviert.

Anschließend wurde ein Museum eingerichtet.

1992 – Gedenkstätte am Schlossberg

Nach der Renovierung und der Anbringung einer Bronzetafel wurde das Ehrenmal am Schlossberg der Stadt Allstedt übergeben.

Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft.

An der Neugestaltung waren der Heimatverein Allstedt und der Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer beteiligt.

Quellen und weiterführende Literatur

Für die Zusammenstellung der Chronik wurden unter anderem folgende Werke und Veröffentlichungen herangezogen:

  • E. Heinze: Die Entwicklung der Pfalzgrafschaft Sachsen
  • Dr. Friedrich Facius: Allstedt – Geschichte der Stadtverfassung
  • Dr. phil. L. Däumler: Beiträge zur Chronik der ehemaligen Pfalz Allstedt
  • Sonderheft „Thüringer Fähnlein“
  • 1000 Jahre Allstedt, Heft 72

Zusammenstellung: Heimatverein Allstedt e. V. Am Schild 17a 06542 Allstedt